Worblaschlüssel

Worblaschlüssel – ein märchenhaftes Requisit
Worbla – ein wunderbares Material
Vor zwei Jahren habe ich per Zufall Worbla entdeckt, und zwar auf der Fantasy Basel, eine Messe für Comic, Cosplay und mehr. Ich wollte einfach die Kostüme bewundern, denn die meisten Stände mit japanischen Massenprodukten interessierten mich kaum.
An einem Stand wurde eine beige Plastikfolie angeboten. Ich schaute fasziniert zu, wie die dicke, fast ein bisschen holzig wirkende Folie mit einem Heissluftföhn erhitzt und dann in jede beliebige Form gebracht werden konnte. Ich schnappte mir eine Visitenkarte, und zu Hause tauchte ich in die Tiefen des Internet. Wow, kann ich nur sagen!
Worbla wird in erster Linie für Cosplay verwendet, also für den Kostümbau. Damit lassen sich sehr leichte und dennoch sehr stabile Rüstungen, Waffen und Zubehör bauen. Richtig bemalt, sehen die Teile wie echt aus.
Ich bestellte mir eine Rolle Worbla Finest Art sowie einen Heissluftföhn, durchkramte mein Haus und die Baumärkte nach kleinen Werkzeugen und Moosgummi, und legte los: Als erstes entstand ein Messer mit einem Drachen darauf, dann eine grosse Axt, danach eine Rüstung. Später kamen zwei Masken dazu, da ich mit meiner Schulklasse Gipsmasken und damit dann Worblamasken bauen wollte. Irgendwann noch eine weitere Rüstung mit Felleinsätzen.
Unterdessen hatte ich auch meine Freundin mit dem Worblafieber angesteckt, sowie auch ein wenig meine ältere Tochter. Heissluftföhn und Dremel liefen auf Hochtouren.
Fotografie
In letzter Zeit blieb das Worbla ein bisschen liegen, und die grossen Rollen setzte Staub an. Doch dann kam mir ein Buch über fantasievolle Porträtfotografie in die Hände. Das war‘s! Fotografieren und Worbla kombiniert, genau das Richtige für mich. Sofort war klar: ich brauchte märchenhafte Requisiten für Fotoshootings.
Schlüssel
Ich wollte mir einen Schlüssel bauen. Hier findet du nun eine detaillierte Step-by-Step- Anleitung. Zur Verarbeitung von Worbla selber findest du gute Literatur und unzählige Tutorials im WWW.
Worbla kannst du im Internet bestellen – das Angebot ist sehr gross, und neben dem beigen Worbla Finest Art findest du noch weitere Varianten.
Im Internet fand ich eine einfache Vorlage für einen hübschen Schlüssel. Dies dient mir als Schablone für die Grundform. Einfach in der passenden Grösse ausdrucken und ausschneiden.
Aus 2 dicken Stücken Moosgummi, eigentlich als Unterlage für Pools gedacht, schneide ich die Reite (der obere, meist runde Teil) des Schlüssels aus.

Mit dem Dremel werden die Kanten geschliffen und die Form optimiert. Achtung, trage Schutzkleidung wie Brille und Atemmaske! Ich sehe danach wie ein Schlumpf aus, wegen dem blauen Staub.

Ein A4-Blatt drehe ich zu einer Röhre ein und fixiere sie mit Klebestreifen.

Nun geht’s los mit Worbla: Die Röhre wird eingepackt, und die Naht sauber verstrichen. Dabei sollte die Röhre nicht mehr heiss sein und die Naht nur punktuell erwärmt werden.

Die Moosgummi-Reite wird in zwei Worblalagen eingepackt. Das grobe Zuschneiden (bis max. 2 mm an die Ränder) geht am besten, wenn alles schön warm ist.

Übrigens, die Resten kannst du wiederverwerten – also nicht wegwerfen!
Das Worbla wird nun sauber verstrichen und alle Formen mit kleinem Töpferwerkzeug oder Stricknadeln u.ä. möglichst sauber verarbeitet.


Wenn das Worbla abgekühlt ist, kannst du die Form mit Schleifen perfektionieren.

Beim Schlüsselbart gehst du vor wie bei der Reite.
Das Schwierigste ist geschafft. Nun kannst du die Einzelteile verbinden: die Verbindungsstellen gut erwärmen und zusätzliches Worbla als Verbindungsmaterial sorgfältig verstreichen. Arbeite genau, am Schluss wenn Farbe drauf ist, geht reparieren nicht mehr gut.

Nun folgt, meiner Meinung nach, ein sehr schöner Teil: Das Verzieren! Hier sind deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt. Ich habe beim Schlüssel aus dem Worbla dünne Würstchen gerollt sowie mit kleinen Stückchen kleine Rosen und Blütenblätter geformt. Befestige alles gut und sorgfältig.

Zufrieden? Eine, oder zwei, oder… zehn Schichten Weissleim füllen die grobe Oberfläche des Worblas auf und machen es schön glatt. Je nach Wunsch und Effekt brauchst du mehr oder weniger. Ich habe zwei Schichten aufgetragen.

Nun grundiere ich den ganzen Schlüssel mit schwarzer Acrylfarbe. Nicht erschrecken, das meiste davon ist nachher nicht mehr sichtbar, macht dein Requisit aber zusätzlich spannend und plastisch. Ich habe wiederum zwei Schichten gemalt. Achte darauf, keine Seen zu machen, sonst kommen die Strukturen nicht mehr zur Geltung.

Gold Metallic-Farbe, ebenfalls Acryl, gibt einen schönen und metallischen Glanz. Ein wenig Rotpigment sowie eine Mischung von Grün und Gold geben zusätzliche feine Farbtupfer.
Um die Rillen nicht zu füllen, arbeite ich sehr gerne mit einem Schwamm und sehr wenig Farbe. Also Farbe nehmen, gut abstreifen, und dann Farbe auftupfen.

Fertig! Nun wartet der Schlüssel nur noch auf seinen Fotoshooting-Einsatz!

Kennst du Worbla bereits? Erzähl etwas von dir und deiner Kreativität! Ich freue mich auf deine Zeilen.